„Wer schön sein will, muss leiden“

Schönheitsnormen können eine enorme psychische Belastung, diskriminierend und enorm teuer sein. Ein psychologisches Selbstportrait.

Was ist Schönheit? Ist Schönheit Leiden? Ich möchte in diesem Artikel eine Geschichte erzählen, an deren Ende eine Erkenntnis steht.

Wenn ich Menschen um mich herumfrage, ob sie gerne in ihr Äußeres investieren, sagen mir die meisten: Ihr Äußeres finden sie schon wichtig. Sie legen gerne Make-up auf, rasieren sich oder kaufen Kleidung, die ihnen gefällt. Ich freue mich für sie, doch irgendwie reißt auch ein komisches Gefühl an meiner Bauchdecke. Es klingt danach, als würde Schönheit im Alltag meiner Bekannten eine, naja, schöne Rolle spielen. 

Doch ich fühle mich unwohl. Das resultiert wohl daraus, dass es mir selbst in den meisten Fällen keine sonderliche Freude bereitet, mich um mein Aussehen zu kümmern. Es fühlt sich an wie eine Pflicht. Die Unlust zum Zähneputzen hat sich seit meiner Kindheit nicht unbedingt großartig verändert, auch, wenn ich heute keine motivierenden Geschichten über Karius und Baktus mehr brauche, um mich zu dieser Tätigkeit durchzuringen. Die Zeit, die ich täglich im Badezimmer für Make-up aufwendete, fühlte sich für mich schon immer verschwendet an. Gar störend, wenn ich nach einem ausgiebigen Kneipenabend kaum die Augen offenhalten konnte, aber noch die verschmierte Wimperntusche mit brennenden Flüssigkeiten aus meinen Augen rieb – und danach wieder hellwach war. 

Jedes Mal, wenn ich zum Sport ging (und danach enttäuscht war, dass ich nicht sofort 2 Kilogramm Körperfett verloren hatte, denn offenbar resultierte daraus meine Motivation, mich dieser anstrengenden Tätigkeit überhaupt zu widmen), befasste ich mich eigentlich nur mit Körperstellen, die ich als fehlerhaft beurteilte. 

Woher kam dieses Urteil? Wieso schränkte ich mich ein und tat Dinge, auf die ich keine Lust hatte? Wieso lasse ich das alles nicht einfach? (Gut, die Sache mit dem Zähneputzen sollte ich wohl beibehalten.)

Ich trug diese Unsicherheiten ständig mit mir herum. Habe jeden Kommentar über mein Äußeres äußerst sensibel aufgefasst, detailliert seziert und eingehend bewertet. (Die Komplimente habe ich dabei abgenickt, mich kurz gefreut und sie anschließend gerne wieder vergessen.) Ich erinnere mich an Aussagen wie „deine Schlüsselbeine sieht man ja gar nicht“, „wenn du krank bist, gehen wir ohne dich“, „guck mal, wie dein Bauch schwabbelt“ oder „schlank bist du nicht, irgendwie normal halt“. Heute frage ich mich, wieso mein Körper für andere überhaupt eine Rolle gespielt hat, wieso mussten sie ihn kommentieren? 

Ich erinnere mich auch an Kommentare, die über andere Körper gemacht wurden,. „Der ist so schwul, wie er mit seinen Händen wedelt“, „Fettsack!“, „die hat so einen Knackpo, Alter Falter“, „seine Beine sind sooo schön“, „ich hätte auch gerne so lange, schöne Wimpern“, „wann bist du endlich wieder gesund?“, „können Schwarze Pickel kriegen?“, „der kommt hier nicht hoch, warum wollt ihr nicht einfach einen anderen Weg benutzen?“. 

Ich beobachtete, dass einige Menschen größere Wertschätzung erhielten als andere. Ich beobachtete, dass diese Menschen einige Kriterien erfüllten, und andere diese offenbar anstrebten. Und dass sie dies aus einem Grund taten: Sie wurden für die Nichterfüllung dieser Kriterien in verschiedenen Graden ausgeschlossen. 

Das ist Diskriminierung. Artikel 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte führt das Verbot von Diskriminierung auf. Es ist unser aller Recht, nicht ausgeschlossen zu werden aufgrund unserer Hautfarbe, Geschlechts- oder gar Rassenzuschreibungen oder unserem Vermögen. Ebenso tangieren diese Aussagen unser in Artikel 22 garantiertes Recht auf soziale Sicherheit. Jeder Mensch hat Anspruch auf die Anerkennung seiner Würde und die freie Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.

Mit Anfang 20 war das Bewusstsein für mein Selbst und meine Einschätzung meiner Wertigkeit abhängig davon, die über Jahre beobachteten Kommentare (die sich ja primär auf das Äußere beschränkten) viel zu ernst zu nehmen. Ich bin nicht stolz auf das, was passierte: Ich verleugnete mich in der Reflexion dieser Kommentare selbst, so vollständig, wie es mir möglich war. Auf Bildern aus dieser Zeit ist zu sehen, wie ich immer mehr verschwand. Dabei spielen viele Einflüsse eine Rolle, ein derartiges Phänomen ist komplex, dennoch spielen diese Normen eine signifikante Rolle dabei. 

Meine Gedanken kreisten permanent darum, wie ich mich verändern – damals dachte ich „verbessern“ – konnte. Ich war psychisch erkrankt, ich kann es so sagen. Leider sind psychische Erkrankungen stark negativ aufgeladen. Wie ließe sich dieser Satz lesen, wenn ich schriebe „Ich war an einem grippalen Infekt erkrankt?“. Beide Varianten sind Erkrankungen, die wir uns nicht ausgesucht haben. Beide sind gleichermaßen unangenehm, aber oft ertragbar. Beide entstehen oft durch Umwelteinflüsse, aber sie sie müssen nicht bleiben. Denn viele Erfahrungen, die wir machen, hinterlassen psychische Wunden, von denen wir wie bei einer körperlichen Verletzung schrittweise genesen können. Die Geschichte, die ich hier erzähle, beschreibt legitime psychische Vorgänge. 

Ich stellte meine Bedürfnisse hinten an, um den Bedürfnissen anderer gerecht zu werden. Ich nehme vorweg, dass ich nie die Eigenschaft besaß, nach Perfektion zu streben. Ich wollte dadurch mein Bedürfnis nach Anerkennung und Wertschätzung erfüllen. Heute wäre es mir viel lieber gewesen, wenn ich diese Anerkennung durch Charaktereigenschaften angestrebt hätte, die sich für mich authentisch anfühlen. Und nicht dadurch, Kommentare danach zu analysieren, „wie ich zu sein habe“. Und nach einem Umfeld gesucht hätte, das mich anerkennt, so wie ich bin. Offenbar schien mir die Gefahr jedoch zu groß, keine Anerkennung für mein authentisches Ich zu bekommen. Denn diese Erfahrung hatte ich ja bereits gemacht. 

Es gibt einen psychologischen Fachbegriff, der zusammenfasst, warum ich mich irgendwann immer unwohler fühlte: Kognitive Dissonanz. Er besagt, knapp gesagt, folgendes: Handeln wir häufig gegen unsere Werte, geraten wir in einen inneren Konflikt. Letztlich beschloss ich, diesen inneren Konflikt aufzulösen. Das bedeutete jede Menge super schmerzhafter Selbstreflexion. Ich ging rückwärts und vorwärts zugleich, bis sich meine Beine verhedderten und ärgerte mich oft, dass ich Gelerntes nicht sofort umsetzen konnte. Ich dachte, dass dieses Thema für mich eben besonders relevant sei, weil ich so sensibel darauf reagiere. Doch während meiner Genesung habe ich gelernt: Diese Geschichte ist nicht nur meine. 

Ich habe am Anfang dieser Geschichte beschrieben, dass Erfahrungen mit Schönheitsnormen keineswegs negativ sein müssen. Unser Bild von Schönheit wandelt sich stets – es ist wirklich spannend, sich einmal historische Schönheitsideale zu vergegenwärtigen. Es gibt aber auch signifikant negative Erfahrungen mit Schönheitsidealen, die strukturellen Charakter haben. Es ist wichtig, gerade junge Menschen und Menschen, die Probleme mit ihrem Selbstwert haben, darüber aufzuklären. Diesem Teil der Schönheit ist der Artikel gewidmet. Denn wie mit vielen Bereichen in unserem Leben hängt der Begriff der Schönheit stark an gesellschaftlichen Normen und Idealen. Diese sind es, die schnell problematisch werden können. Ich möchte hier niemandes individuelle Schönheitspräferenzen angreifen. Wie diese beiden Sachverhalte aber dennoch miteinander zusammen hängen können, möchte ich auch in diesem Artikel thematisieren.

Das Problem mit der Schönheitsnorm war also nicht nur eines, das ich empfand. Ich fand heraus, dass es in verschiedensten Variationen für fast alle meiner Bekannten, für einen Großteil der Menschen dieser Gesellschaft (in deren Privatleben wir dank sozialer Medien durchaus eingehende Einblicke bekommen) und für Menschen, die uns in Büchern oder Filmen von ihrem Leben in Kulturen und sozialen Kontexten erzählen, die nicht unsere eigenen sind, gilt. Es ist so:

Der Druck durch Schönheitsnormen ist ein umgreifendes, strukturelles Problem.

Ich erinnere mich an ein besonders augenöffnendes Gespräch mit einer sehr guten Freundin. Bis heute bin ich unsicher, ob es ihr ebenso viel bedeutet hat, denn dieses Gespräch war gehüllt in den angenehmen Mantel des Kaffeeklatschs. In besagtem Gespräch tauschten wir uns darüber aus, wie viel Zeit, Geld und Energie wir in unserem Alltag für unser Äußeres aufwenden. 

Unsere Antworten führten unser Gespräch bald in tiefenpsychologische Bereiche, intime Ängste und Unsicherheiten; es wurde tiefgründiger als der oberflächliche Schein der Schönheit hätte vermuten lassen können. 

Uns wurde klar: Es war zu viel, weil wir uns mit dem Aufwand nicht wohlfühlten. Ich führte diese intimen Gespräche daraufhin mit einigen Bekannten, las sensible Interviews von Personen, die sich in der Öffentlichkeit darüber äußern und wissenschaftliche Essays über den Einfluss von Normen auf unsere Gesellschaft. 

So stellte die Wissenschaftlerin Emilia Roig fest: „Begriffe wie ‚schön‘, ‚begehrenswert‘, ‚unattraktiv‘ und ‚hässlich‘ werden gerne als universelle und objektive Wahrheiten behandelt. Wir wurden manipuliert, zu glauben, dass es einen objektiven und universellen Begriff von Schönheit gibt – und dass wir uns alle darüber einig sind, was schön ist und was nicht. Folglich werden wir in fast jedem Kunstwerk, in den Medien und in der Werbung mit Bildern von Menschen konfrontiert, die diese Vorstellung von Schönheit verkörpern und die Schönheitsnormen in unserer kollektiven Wahrnehmung verstärken. In ähnlicher Weise wird Hässlichkeit als universell betrachtet.“

In diesem Sinne sind wir alle von Hässlichkeit betroffen. Mir wurde in den Gesprächen, die ich führte, bewusst, dass nicht jeder die Unsicherheit eines Körperfettanteils, der die Schönheitsnorm übersteigt, mit mir teilt. Ich stellte fest, dass sich das Leid, nicht in die Norm zu passen, auf zahlreiche Eigenschaften erstreckt. Es ist ein Fass ohne Boden. Es geht um Augenringe, Dehnungsstreifen, dünne Haare, dünne Arme, Oberschenkelumfänge, Muskeln, Sommersprossen, Zähne, knubbelige Knie, wurstige Finger, ja sogar um die Nagelhaut. Es geht um Sehbeeinträchtigungen, hinkende Beine, schmerzende Abszesse, Unterleibsschmerzen während der Periode, Rheuma, Diabetes, Asthma oder körperliche Eigenschaften, welche die Motorik einschränken. Es geht um die Hautfarbe. Es geht um Klassenzugehörigkeit und Prestige.

Die Norm, die vorgibt, was schön ist, ist weiß, reich und gesund. Das Hässliche ergibt sich aus ihrer Negation. Damit wird die Schönheitsnorm zu einem Ideal, das alles diskriminiert und entwertet, das sie nicht einschließt. Sie ist das Resultat aus Jahrhunderte alten Konstruktionen, die Macht legitimieren sollten und die wir jeden Tag erneut reproduzieren.

Deswegen wurden „seit der Kolonialzeit Schwarze Körper als hässlich, grob und animalisch definiert, im Gegensatz zu den weißen Körpern, die als schön, fein und hochentwickelt konstruiert wurden“, sagt Emilia Roig. Deswegen wird Frauen vom Kindesalter an beigebracht, dass körperliche Attraktivität und ein freundliches, zurückhaltendes Lächeln ihre Anerkennung und Wertigkeit ausmachen. Studien legen dar, dass Mädchen, die toben, beißen, ihrer Wut Ausdruck verleihen oder die sich überschwänglich einbringen, häufiger zurechtgewiesen werden als Jungs. Deswegen werden Geschlechter und Sexualitäten, die nicht der heteronormativen Konstruktion entsprechen, gedemütigt. Deswegen ist für Behinderungen kein Platz in einer Gesellschaft, die auf körperliche und intellektuelle Stärke, Produktivität, Leistungsfähigkeit und weitere Eigenschaften, die zu kapitalistischen Gewinn führen, hin organisiert ist. Deswegen gilt Alter als unbedingt zu vertuschen.

Damit überschreiten wir ständig gegenseitig unsere in Artikel 12 der Menschenrechte anerkannte Freiheitssphäre, die bedeutet, dass niemand willkürlichen Eingriffen in die eigene Ehre bzw. den eigenen Ruf ausgesetzt werden darf. Es ist keine neue Erkenntnis, dass wir in einer rassistischen, klassizistischen und sexistischen Gesellschaft leben. Doch genau darin liegt das Problem, wenn wir alle danach streben, schön zu sein. Wir reproduzieren dann diese diskriminierenden und tief verankerten Glaubenssätze. 

Das fatale ist: Uns wird ständig vermittelt, dass wir diese angeblichen Makel beheben können. Wir müssen nur ein bisschen Zeit aufwenden, ein bisschen Geld ausgeben. Allerdings ist unser Kostenaufwand vielfältig und enorm.

Die deutsche Kosmetikbranche erwirtschaftet (Stand 2021) 6,2 Milliarden Euro jährlich. Ein Großteil davon ist Geld, das wir ausgeben, um uns einer Norm anzupassen. Durchschnittlich wenden weiblich gelesene Menschen in Deutschland 48 Minuten täglich für die Schönheitspflege auf. Das sind bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 8 Stunden 36,5 volle Arbeitstage im Jahr. 

Weltweit waren im letzten Jahr laut Statistiken der National Eating Disorder Association mehr als 70 Millionen Menschen an einer Essstörung erkrankt. Einer psychischen Erkrankung, bei der starke Zusammenhänge mit Schönheitsidealen festgestellt wurden. Die Kosten einer stationären Behandlung in den USA liegen zwischen 500 und 2.000 US-Dollar pro Tag. Eine ambulante Langzeitbehandlung kann 100.000 US-Dollar oder mehr kosten. In Deutschland übernehmen diese Ausgaben oft die Krankenkassen. Je nach Therapie beträgt die Dauer zwischen 25 und 200 Sitzungen, wobei eine Sitzung zwischen 50 und 100 Euro kostet. Das sind bis zu 20.000 Euro pro erkrankter Person. 

Eine Kampagne der Aktion Mensch aus diesem Jahr möchte auf fehlende Barrierefreiheit im Alltag aufmerksam machen. Ihr Slogan lautet: Nicht die Menschen haben Behinderungen. Sie werden behindert. Es sind die Orte, die keine Barrierefreiheit gewährleisten, die letztlich einen enormen Mehraufwand für die Menschen bedeuten. 

Berechnet man die Umweltschäden der Schönheitsindustrie wie Schadstoffe in Kosmetikprodukten, den Einsatz von Chemikalien in der Bekleidungsindustrie oder den Energieverbrauch von Fitnessstudios, steigen die Kosten ins Unermessliche.

Bei all den möglichen Eigenschaften, welche von der Schönheitsnorm diskriminiert werden können, erscheinen mir meine Unsicherheiten oft trivial. Tatsächlich können wir zunächst alle unterschiedlich stark und intersektional von diesen Diskriminierungen betroffen sein und anschließend verschieden stark unter diesen leiden. Doch Artikel 2 gilt für alle und es ist wichtig, alle Facetten anzuerkennen. 

Als ich begann, mich selbst einer Norm zu unterwerfen, die mir meine Individualität versagt, implizierte das für mich beispielsweise, künftig sehr viel Zeit in Sportkursen zu verbringen. Ich schränkte mich ein. Hatte weniger Zeit für meine eigentlichen Interessen, einen enormen täglichen Organisationsaufwand und die ständige, schmerzhafte Erinnerung an meine Mangelhaftigkeit, aufgrund derer ich dieser Tätigkeit ja nachging. Das ganze Maß der psychischen Belastung bemerkte ich erst, als ich damit aufhörte. Und das war gar nicht so leicht, musste ich doch erst Glaubenssätze ablegen, die mir vermittelt wurden und von denen mein Selbstwert abhing. 

Doch es ist möglich und für diese Möglichkeit findet Emilia Roig wunderbare Worte: „Was wir für schön halten, ist deswegen schön, weil wir gelernt haben, es schön zu finden. In relativ kurzer Zeit können wir unsere Vorstellungen und Gewohnheiten von Schönheit umformen.“

Ich frage mich also: Was finde ich schön? Ich stelle fest, dass ich da ganz individuelle Präferenzen habe, die sich teilweise stark vom Schönheitsideal unterscheiden, komplex und äußerst fluid sind. Vielleicht, denke ich mir, könnte irgendjemand auch mich schön finden, weil ich zu jemandes zufälligen, einzigartigen und individuellen Präferenzen passe. Plötzlich war es okay, dass mich dafür eine andere Person nicht schön findet. Plötzlich wurde es möglich, von einer Person geliebt zu werden, die mich nicht schön fand.

Während meiner Recherche stieß ich auf eine soziale Bewegung, die von ihren Aktivist:innen „body positivity“ genannt wird. Sie nutzt die Medien, in denen die Schönheitsnorm stark reproduziert wird, um eine Gegenposition zu formulieren und die Diversität und Vielseitigkeit von Körpern abzubilden. Die Bewegung nennt sich auch Body Neutrality, da sie die starke Wertigkeit von Körpern kritisiert. Jeder Körper ist einzigartig und individuell. So zeigen sich auch die Aktivist:innen. Wir sehen hier eine vielfältige Realität fernab von Filtern und Fotobearbeitung. „Mädchen, deren mit Filtern und Apps bearbeitete Bilder mehr Likes bekommen als die Bilder, auf denen sie sich ganz natürlich zeigen, vermitteln ihnen: So wie ich bin, reicht es nicht“, kritisiert Dr. Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentrum für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI). Bewusst posten die „body positivity“-Vertreter:innen also Fotos von ihren Falten an Bauch und im Gesicht, von ihren Prothesen, von ihren Afros, von ihrem ungeschminkten Gesicht oder sie diskutieren, wie Transpersonen eine körperpositive Einstellung gewinnen können. 

Mittlerweile habe ich mir meine Unsicherheiten bewusst gemacht. Einige konnte ich ablegen, viele werden bleiben und sich verändern. Ich benutze derzeit kein Make-up mehr, bewege mich so, wie es mir Freude bereitet und sage mir immer und immer wieder, dass meine Bauchfalten keine Aussage über meine Wertigkeit, meine Sympathie oder Liebenswürdigkeit treffen. Ich nehme mir Zeit für meine Interessen. Lebe in einem wertschätzenden Umfeld, das mich nicht ausschließt und mich umsorgt, wenn ich krank bin oder mir etwas nicht leisten kann. Mein Bewusstsein für die Diskriminierung anderer Menschen ist gestiegen.

Ich habe versprochen, dass diese Geschichte mit einer Erkenntnis endet. Sie lautet wie folgt: Ja, Schönheit kann Leid verursachen. Aber wir können lernen, sie davon zu befreien. Am Ende werden wir uns selbst befreien.

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