Die Sprache des Bildes

In einem Jahr reise ich um die ganze Welt, um die tragischen Schicksale diskriminierter, unterdrückter oder verfolgter Minderheiten zu erleben.

Eine unerwartete Aufgabe erwartet mich während meines Praktikums in der Göttinger NGO Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV): Ich habe mich literarisch in die Tiefen Brasiliens begeben und darf meine Recherchen über diskriminierte und unterdrückte Minderheiten, wie die Guaraní-Kaiowá oder den Quilombolas, im Rahmen „70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ im aktuellen GbV-Bildkalender veröffentlichen. In diesem Jahr steht der Bildkalender der Menschenrechtsorganisation unter dem Titel „Frei und gleich and Würde und Rechten geboren“. Die Bilder, welche die Ethnologin und langjährige Mitarbeiterin der GfbV Inse Geismar gemeinschaftlich mit der GfbV ausgesucht hat, sind aussagekräftig und intensiv. Stundenlang betrachte ich die Portraits. Ohne die dazugehörigen Artikel zu lesen, die über die menschenrechtliche Lage der abgebildeten Minderheiten informiert, sehe ich immer stärkere Lebensfreude, entdecke ich neue Farben, fallen mir weitere Formen ins Auge, blicke ich durch leuchtende Augen tief in die Seele der Menschen auf den Bildern. Stundenlang könnte ich die fotografischen Werke betrachten und mir Geschichten über die Schicksale dieser wunderschönen Menschen ausmalen. Doch dann lese ich, was Wirklichkeit ist. Sie findet weit entfernt von meinen Gedankenspielen statt und kein Kopf könnte sich die Gräuel ausmalen, mit denen diese Menschen konfrontiert sind. Ich lese über die Kopten in Ägypten, über die Chittagong-Bergvölker in Bangladesch, die Sahrauis in der Westsahara. In einem Jahr reise ich um die ganze Welt, um die tragischen Schicksale diskriminierter, unterdrückter oder verfolgter Minderheiten zu erleben. Auf der Rückseite der eindrucksvollen Fotografien der Monaten August und Oktober befinden sich zwei Artikel meiner eigenen Recherche.

August: Guaraní-Kaiowá

„Ich habe keine Angst mehr. Ich muss für mein Volk schreien. Ich weiß, wenn sie mich ausschalten, wird es andere Anführer geben, die sich erheben. Und schreien.“
Ladio Veron macht sich stark für sein Volk, die Guaraní-Kaiowá in Brasilien. Er reiste 2017 durch Europa, um für sie um Unterstützung zu werben. Guaraní bedeutet „großes Volk“ – doch tatsächlich wird es immer kleiner: Agrar-Konzerne holzen die Wälder ab, legen riesige Monokulturen oder Viehweiden an – und nehmen den Guaraní so jede Existenzgrundlage. …

Oktober: Quilombolas

„Als wir aus der Sklaverei befreit wurden, wurden wir Schwarze wie Müll auf die Straße geworfen. Wir mussten auf Hügel klettern und bauten dort die Favelas auf. Dort leben wir bis heute: in den Armenvierteln. Und dennoch werden wir benachteiligt. Daher suchen die Menschen ihre Wurzeln in der Capoeira und drücken so ihren Widerstand aus. (Gilidacio Ferreira de Oliveira, Nachfahrin der einst als Sklavin nach Brasilien verschifften Amilia) …

Wie geht es weiter mit den Guaraní-Kaiowá und den Quilombolas? Gern möchte ich an dieser Stelle auf den Bildkalender der GfbV verweisen, in dem die Artikel in voller Länge abgedruckt sind. Der Kalender kostet 10 Euro, der Versand ist kostenlos, unterstützt wird mit dem Geld die Menschenrechtsarbeit der Gesellschaft für bedrohte Völker. *

Beitrag von Mandy Lüssenhop

Titelbild/Quelle: Rod Waddington/Flickr/GfbV.de

*(Durchaus mache ich an dieser Stelle offen und bewusst Werbung für ein Produkt, an welchem ich selbst mitgearbeitet habe und welches durch Information und Aufklärung im Rahmen eines ansprechenden Formats über Menschenrechtsverletzungen von Minderheiten aufklärt.)

 

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